Gute Fachkraft = gute Führungskraft?

Wann ist eine Führungskraft eine gute Führungskraft? Da scheiden sich die Geister. Die einen meinen, wenn die Abteilungsziele erreicht werden. Wenn sie der Firma einen Mehrwert bringt, also ein mehr an Output. Hmm … Sklaventreiber auf der Galeere (ah so schreibt man das, dachte mit Doppel-L :D) waren somit gute Führungskräfte, da sie ja Abteilungsziele erreicht haben.

Ok gut ich gebe zu ein etwas krasser Vergleich. Nur sehe ich in meinem täglichen Leben schon hin und wieder Nuancen eines solchen Verhaltens aufblitzen bei einigen Managern. Da muss man hart durchgreifen, wir sind ja nicht zum Spass hier, das ist eine Arbeitsanweisung …..

Gut zugegeben, nicht dasselbe und trotzdem irgendwie nicht förderlich. Was wenn Mitarbeiter mehr Selbstbestimmung hätten, wie sie die Ziele erreichen und nur das Ziel an sich definiert wäre und der Mitarbeiter sogar bei der Zielfestlegung mitreden könnte. Spannender Gedanke … bräuchte es dann keine Führungskräfte mehr?

Das Problem meiner Meinung nach ist, dass man zunächst mal als Fachkraft beginnt und man eignetet sich Wissen in seinem Bereich an und wird richtig gut darin. Und dann wird jemand darauf aufmerksam und man landet im High Potential Pool und vielleicht kommt man dann in den Genuß einiger Schulungen und man verbringt ein paar Tage, manche möglicherweise Wochen, in Seminaren, Trainings etc. wo gezeigt wird was es denn für eine gute eine Führungskraft braucht und dann bekommt man den Job, weil man sich hervorgetan hat und die anderen hinter sich ließ. Also wird man möglicherweise Abteilungsleiter. Jiepie geschafft, endlich mal Ansehen, Macht, vielleicht auch Sinn und Möglichkeit was zu ändern, was zu bewegen. Und ja, man muss sich jetzt mal sofort positionieren und beweisen. Also tut man das was man am besten kann, richtig .. Fachkraft sein. Man beginnt im Detail zu arbeiten, seinen Mitarbeitern mächtig auf die Nerven zu gehen, genau nachzufragen warum das denn so sei und nicht anders und ob man da nicht etwas besser oder anders machen könnte und kommt sofort mit Vorschlägen. Das kommt immer gut, da die Vorschläge oftmals bereits von den Mitarbeitern im Vorfeld schon ausprobiert und getestet, aber fehlgeschlagen sind, somit fühlt sich der Mitarbeiter als Komplettversager oder sieht den Chef als Besserwisser. Nicht einfach ich weiß ….

Nur was spricht dagegen sich mal zurückzulehnen und die Menschen kennen zu lernen, sich Zeit zu nehmen und die Potentiale zu erkennen und langfristig und gröber zu denken. Halt stop aus …. Denken ist keine echte Arbeit!!!!!!! Man muss was produzieren, zumindest ein Mail schreiben, das wenigste ist eine Termineinladung zu verschicken für ein Meeting zu dem es dann ein Protokoll gibt und das bitte schriftlich!

Ich spreche aus eigener Erfahrung. Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn dachte ich ähnlich. Habe mich im Detail rumgetrieben, habe es nicht mal gemocht, aber dachte das müsse so sein, weil ich ja sonst unproduktiv wäre. Und je länger ich als Führungskraft tätig war, desto mehr verstand ich, dass ich gute Mitarbeiter hatte, die operative Dinge viel besser konnten als ich, die eine Richtung und ein Ziel wollten und die notwendigen Mittel dazu, aber den Weg wunderbar ohne mich gehen konnten. Und plötzlich hatte ich Zeit für andere Sachen, wie Strategiearbeit, wo wollen wir hin, was macht die Konkurrenz, was will der Kunde, die Liste ist unzählig lang.

Vielleicht sagt jetzt der eine oder andere, was ist das für ein Schwachsinn, das ist doch Kindergarten einmaleins der Führung. Ja mag sein, ich sehe es aber trotzdem noch täglich anders. Ich sehe, dass gute Spezialisten in Firmen nicht genug geschätzt werden. Das es nur Aufstiegswege (auch finanzielle Vergütung) gibt, wenn man in eine Führungsrolle kommt. Selten sind Spezialisten besser bezahlt als Führungskräfte. Eine natürliche Folge hiervon liegt klar auf der Hand … jeder will Führungskraft werden, wenige wollen es dann auch sein.

Das heißt soviel wie: ich will den Status, die Macht und das Ansehen. Trotzdem will ich die Details wissen, verstricke mich im operativen, verliere den strategischen Blick und bin null komma gar nicht an der Weiterentwicklung von Menschen interessiert und mich selbst zurücknehmen und andere unterstützen ist nicht mein Ding, weil ich ja der Spezialist bin.

Was ist die Lösung? Vielleicht wäre es besser mal die eigenen Führungsetagen zu durchforsten liebe Firmenchefs und HR-Manager und zu schauen, ob nicht viele gute Fachkräfte auf Plätzen sitzen wo sie definitv nicht ihr Potential entfalten können und somit Unproduktivität und Unzufriedenheit gefördert wird, was sich letztendlich in Gewinneinbußen niederschlägt. Aber da dies ja bei der eigenen Firma nicht vorkommt, kann man getrost weitermachen wie bisher und muss gottseidank nichts verändern! Change sucks…

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